• Helmut Tauber, SVP

Mein Statement zum "Agri-Camping"


Am 29.06.22 wurde im Südtiroler Landtag über die Möglichkeit des Agri-Campings diskutiert. Grundlage war der Beschlussantrag des Landtagsabeordneten Faistnauer (PFS) "Camping auf dem Bauernhof - könnte dies eine substanzielle Hilfe für Südtirols Berglandwirtschaft sein?".


Mein Statement ist klar:


JA zur langfristigen Lösung des Problems in der Südtiroler Vieh- und Berglandwirtschaft, aber NEIN zur Idee des Campings als substanzielle Hilfe für Südtirols Berglandwirtschaft.

Die Südtiroler Vieh- bzw. Berglandwirtschaft befindet sich ob der geringen Wertschöpfung seit Jahren in einer schwierigen Situation. Gleichzeitig leistet sie einen wichtigen Mehrwert für unser Land. Sie prägt die heimische Landschaft, beugt der Erosion vor und trägt zu einem lebendigen ländlichen Raum bei. Es ist daher wichtig, die Berglandwirtschaft zu unterstützen. Diesen Ansatz teile ich genauso wie der Kollege und Antragsteller Faistnauer sowie vermutlich alle anderen Kolleg:innen auch.


Die Lösungsansätze, den Erhalt der Berglandwirtschaft zu fördern bzw. zu sichern, sind vielfältig und oftmals doch sehr „kreativ“ bis gar paradox. Ich denke an den kürzlich diskutierten „Bauern-Euro“, mit dem die Berglandwirtschaft über einen anderen Wirtschaftssektor querfinanziert werden soll. Nun steht die Idee im Raum, den Erhalt der Berglandwirtschaft mit der Möglichkeit eines weiteren Nebenerwerbs – und zwar im Bereich des Campings – zu sichern. Für mich handelt es sich hier erneut um den falschen Ansatz.


Wenn Landwirte immer mehr auf andere Wirtschaftstätigkeiten, sprich UaB, Camping usw. ausweichen müssen, um sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten über Wasser zu halten, dann ist das der völlig falsche Weg. Vielmehr gilt es zu schauen, was im eigenen Sektor nicht stimmt, wie höhere Preis erzielt werden können,… Wir sollten die Berglandwirtschaft als solche – und zwar in ihrer Kerntätigkeit, die in der Landwirtschaft und nicht in einem anderen Wirtschaftsbereich liegt – fördern. Fakt ist, dass die Gewinne der Berglandwirte nicht ansatzweise dem Geleisteten entspricht. Landwirte müssen für den Verdienst, den sie leisten, fairer entlohnt werden und die notwendige Anerkennung ihrer Arbeit erhalten. Überlegt werden sollte in diesem Kontext auch, die bestehenden Förderungen in der Landwirtschaft genauer auf Effizienz zu prüfen und die Fördermaßnahmen gezielt auf die Berglandwirtschaft zu fokussieren. Für mich ist das der einzig richtige Weg, um die Südtiroler Berglandwirtschaft langfristig und auch nachhaltig zu sichern. Alles andere ist für mich nur ein Versuch, das bestehende Problem von allen Seiten zu „flicken“, anstatt es bei der Wurzel zu packen.


Vergessen werden darf auch nicht, dass sich eine derartige Entwicklung, wonach das Einkommen der Landwirte über andere Wirtschaftstätigkeiten bzw. in diesem Fall über das Camping gesichert werden würde, auch auf andere Wirtschaftsbereiche und in diesem Fall auf bereits bestehende Campingplätze auswirken würde. Wir haben etwa 55 Campingplätze im Land, die hauptsächlich von dieser Tätigkeit leben. Ich glaube, mit derartigen Ansätzen laufen wir Gefahr, neue Probleme anzufeuern anstatt Bestehende zu lösen.


Dem Landschaftsbild ist zudem auch nicht gedient, wenn bei einem idyllischen Hof plötzlich X Camper herumstehen.


Noch kurz zum vorgebrachten Argument, mit Agri-Camping dem Problem des „illegalen Wildparkens“ und dem oftmals damit einhergehenden Müllproblem entgegnen zu wollen:

Dieses ist ebenso paradox wie der Grundansatz, die Berglandwirtschaft mittels der Möglichkeit des Agri-Campings erhalten zu wollen. Das Problem des Wilden Campens, wonach sich Menschen mit ihrem Wohnwagen wahllos (und kostenlos) irgendwo niederlassen, wird sicherlich nicht nur dadurch gelöst, dass mehr Campingplätze entstehen. Um das Phänomen des Wilden Campens zu unterbinden, bräuchte es (mehr) Kontrollen und Strafen.


Mein Statement ist also klar: JA zur langfristigen Lösung des Problems in der Südtiroler Vieh- und Berglandwirtschaft, aber NEIN zur Idee des Campings als „substanzielle Hilfe für Südtirols Berglandwirtschaft“, da es sich hier wiederholt um einen falschen Ansatz handelt.


Der Beschlussantrag wurde im Landtag abgelehnt.