• Helmut Tauber, SVP

Interview zur Entwicklung der Gastronomie / Dorfgasthäuser und Dorfbars


Salto hat mich kürzlich zur Entwicklung in der Gastronomie und speziell der Dorfgasthäuser und Dorfbars interviewt. Hier der Artikel von Salto zum Nachlesen:



Stirbt unsere Gasthauskultur?


Von Astrid Tötsch, Salto

03.11.2022


Wie die Kirche gehört ein Gasthaus zu einem lebendigen Dorf. Während der vergangenen Jahre wurden jedoch viele geschlossen – aus den unterschiedlichsten Gründen.


Um die Dorfgasthäuser und Dorfbars zu erhalten, müssen sie mit Initiativen und Förderungen in den Mittelpunkt gerückt werden, ist Helmut Tauber überzeugt. Bereits 2019 brachte der SVP-Landtagsabgeordnete und HGV-Bezirksobmann des Eisacktales einen Beschlussantrag ein, mit welchem gezielte Maßnahmen gefordert werden, um die traditionellen Dorfgasthäuser und Dorfbars zu unterstützen. Rund ein Jahr später hat die Landesregierung Förderungen für gastgewerbliche Nahversorgungsdienste genehmigt. Unterstützt werden damit Betriebe in Ortschaften mit mindestens hundert Einwohnern, in denen nur der beantragende Betrieb angesiedelt ist. Für die Eröffnung eines Betriebs kann eine einmalige Förderung bis zu maximal 30.000 Euro gewährt werden, für die Aufrechterhaltung bis maximal 11.000 Euro. Auch Nahversorgungsbetriebe, die eine Neueröffnung beantragen, können die Förderung in Anspruch nehmen.


Negativ-Trend

Obwohl es keine detaillierte Daten zu den Betriebsauflassungen in einzelnen Orte oder Talschaften gibt, ist laut Tauber anhand der landesweit erhobenen Zahlen ein Negativtrend ablesbar. Demnach wurden in den letzten Jahren mehr Bars und Restaurants geschlossen, als neue eröffnet.


„Fest steht, dass die Herausforderungen für Bars und Restaurants generell, aber insbesondere in Lagen, die touristisch weniger ausgeprägt sind, größer geworden sind“,

so Tauber. Seit jeher galten die Gasthäuser und Bars vor Ort bzw. generell die Gastronomie als der zentrale Treffpunkt für Jung und Alt sowie für alle gesellschaftlichen Schichten. Mittlerweile habe sich der Bewegungsradius der Menschen erheblich erweitert, auch seien die Ansprüche gestiegen.

Das Gasthaus im Ort muss sich heute nicht nur der ‚lokalen‘ Konkurrenz stellen. Hinzu kommt, dass sich mit Corona das Konsumverhalten geändert hat“, betont der Eisacktaler Landtagsabgeordnete. Zu spüren bekomme dies auch der Handel. Hinzu komme der Mitarbeitermangel und die steigende Kosten, welche die Betriebsinhaber zunehmend ans Aufgeben denken lassen. Schlussendlich läuft alles auf die Frage der Rentabilität hinaus. Aktuell ist es beispielsweise unmöglich, dass diese Betriebe die steigenden Kosten über Preiserhöhungen auffangen, so Tauber, der weiters auf den Generationenwechsel verweist. Angesichts der Herausforderungen sei die Gefahr groß, dass einige dieser Betriebe nicht fortgeführt werden, wenn die Frage der Betriebsnachfolge unbeantwortet bleibt. Dieser Entwicklung müsse jedoch so gut wie möglich entgegengewirkt werden, ist der Landtagsabgeordnete überzeugt. Der Verlust dieser Gastbetriebe hätte nämlich negative Folgen für das Dorfleben, die Vereine, den Handel und insgesamt für das gesellschaftliche Leben.“

Tourismus als Triebfeder

Das Gasthaussterben und das Verschwinden der traditionellen Wirtshäuser ist jedoch beileibe kein Südtiroler Phänomän. Blickt man in das benachbarte Tirol, so ist diese Entwicklung mittlerweile sogar Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten, wie beispielsweise jener von Alexander Plaikner, Victoria Hutterer, Hannes Klingler, Johanna Sparber, Barbara Weiskopf und Katharina Weiskopf. Ihre Evaluierung zu den Hintergünden über das Gasthaussterben wurde im November 2021 an der Universität Innsbruck veröffentlicht. Darin wird unter anderem der gesellschaftliche Wandel als maßgeblicher Faktor für den Niedergang der traditionellen Gasthäuser gesehen.


Wie Tauber erklärt, sei die Situation in Südtirol aktuell noch nicht mit jener wie beispielsweise in Österreich oder Deutschland vergleichbar. Zudem haben wir das Glück, dass nur wenige Orte im Land von Abwanderung betroffen sind“, erklärt der Landtagsabgeordnete und betont, dass nicht zuletzt der Tourismus in Südtirol sehr stark zum Erhalt des ländlichen Raums beitrage und die wirtschaftliche Entwicklung in den Talschaften befeuere. Er wirkt quasi als Zugpferd und sämtliche Branchen hängen daran. Das war vor 50 Jahren schon so und das gilt auch heute noch.“


Nichtsdestotrotz wird die Situation für die Dorfgasthäuser und Dorfbars schwieriger. Um diesen Betrieben eine Zukunft zu ermöglichen, müsse man entsprechende Maßnahmen setzen. Ziel des eingangs erwähnten Beschlussantrages und der Initiative sei es gewesen, so wie das im Handel bereits geschehen ist, die letzten gastgewerblichen Nahversorger vor Ort zu erhalten bzw. in Orten, die über keinen Gastronomiebetrieb mehr verfügen, Anreize für eine Wiedereröffnung zu sschaffen. Eine solche Sonderförderung könne, obwohl der Rahmen bescheiden ist, für den Betrieb viel ausmachen, ist Tauber überzeugt. Nach zwei Jahren seit Bestehen dieser Maßnahme gelte es allerdings die aktuellen Förderkriterien zu bewerten und gegebenenfalls nachzujustieren.Ich sehe hier Luft nach oben“, betont der Landtagsabgeordnete. Viel wichtiger sei es seiner Meinung nach aber, die Attraktivität und die Lebensqualität der Orte im Allgemeinen zu stärken. „Schließlich handelt es sich hier um einen Kreislauf, in welchem sowohl die Dorfbar, das Gasthaus, die Vereine, der stationäre Handel, der Elektriker, der Friseur aber auch die Apotheke und der Hausarzt – um nur einige zu nennen – ungemein wichtig für die Lebensqualität vor Ort sind. Nicht zuletzt glaube ich an die Potenziale unserer Jugend, die mit neuen, innovativen Ideen einen – auch für sie erfüllenden – Beitrag zum Erhalt und zur Lebendigkeit der Dörfer und Täler leisten können. Hier gibt es ja tolle Beispiele, wo junge, motivierte Menschen auch in abgelegeneren Orten erfolgreich einen Gastbetrieb übernommen bzw. eröffnet haben“, so Tauber, der davon überzeugt ist, dass in Südtirol die Gasthauskultur weiterhin Bestand haben wird.

Das traditionelle Gasthaus ist Teil unserer Kultur und unserer Tradition und wird es auch weiterhin sein.

„Das traditionelle Gasthaus ist Teil unserer Kultur und unserer Tradition und wird es auch weiterhin sein. Nicht nur wir Einheimischen schätzen die Gemütlichkeit und das Zusammenkommen in den traditionellen Betrieben, sondern ebenso tun es die Gäste, die für genau diese Kultur und Tradition zu uns kommen und diese (mit-)erleben wollen.“ Ebenso überzeugt ist Tauber davon, dass es wichtig ist, immer wieder Akzente und Initiativen zu setzen, um die Gasthauskultur in unserem Land in den Mittelpunkt zu rücken und zu fördern. So läuft derzeit die Initiative „Euregio-Gasthaus-Tour“, mit der die Bedeutung der Gasthäuser unterstrichen wird. „Es geht um das Zusammensein, die Geselligkeit, umgut essen und trinken und ‚a Hetz hoben‘ “, so der Landtagsabgeordnete.



Orginialaussendung: Stirbt unsere Gasthauskultur? (salto.bz)

Bildquelle: Pexels/NastyaSensei